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Medienkompetenz bei Kindern und Jugendlichen mit Beispielen am Thema „Winnenden“
Vortrag der Medienwissenschaftlerin Prof. Dr. Goderbauer-Marchner bei der Frauen- Union Landshut

Einen, wie von ihr gewohnt, sachlichen und bemerkenswerten Vortrag über Medienkompetenz bei Kindern, gab es von der Medienwissenschaftlerin und Leiterin des Medien Campus Bayern, Prof. Dr. Goderbauer- Marchner bei der Frauen-Union Landshut.

MedienkompetenzNachdem das Thema Jugendmedien schutz ein Thema ist, das sich die CSU-Frauen landesweit seit Jahren auf ihre Fahnen geschrieben haben, gab es den Vortrag als Gemeinschafts veranstaltung der Frauen- Union Landshut–Land und Landshut-Stadt unter der Leitung ihrer Kreisvorsitzenden Anni Wolfsecker und Elisabeth Diewald.

Zunächst begann die Referentin mit der Klärung einzelner Begriffe, wie Ethik und journalistische Recherche, d. h. das systematische Beschaffen (Kollektivieren) und Auswerten empirischer Sachverhalte, um reale Vorgänge nachzukonstruieren. Dabei ist es sehr wichtig, Informationen auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben, wobei die Recherchen sehr wohl ihre Grenzen haben sollten, wenn etwa diese nur durch unlautere Methoden oder Verletzung der Persönlichkeitsrechte zustande kämen. Der Schutz der Ehre sollte bei der journalistischen Ethik immer im Vordergrund stehen.

Dann ging die Rednerin auf die Planung und Darbietung von Fernsehprogrammen ein, sowie die Qualität und Marktchancen von Kindern- und Jugendprogrammen. Bei der heutigen Vielfalt von Medienprogrammen fehle z. B. das gemeinsame Erlebnis und so Gesprächsstoff, mit dem die Kinder am nächsten Tag über die gesehenen Filme diskutieren könnten. Auch sei die Werbung mittlerweile so raffiniert gestaltet, dass die Kinder sie so konsumieren, wie z. B. Filme. Programmpräferenzen von Kindern und Jugendlichen würden unter Einsatz von hohen Kosten genau analysiert, da hier der Absatzmarkt von in der Werbung gezeigten Produkten sehr hoch sei.Festzustellen sei auch, dass Gewaltvorstellungen und die damit verbundene Verrohung zunehmen würden.

Dann ging Prof. Dr. Goderbauer-Marchner auf den Fall Winnenden ein, wo ein 17jähriger Schüler mit einer Pistole auf Schüler und Lehrerin schoss und dann nach einer kilometerlangen Flucht und weiteren Morden sich selbst hinrichtet.

Im Fall Winnenden war z. B. ein enormes Medienangebot am Tatort, d. h. 50 Übertragungs- wagen in den ersten drei Tagen und am Beerdigungstag. Als „Voyeurismus pur“ wertete die Referentin die Vorgehensweise einzelner Berichterstatter.

So wurden z. B. innerhalb der ersten 1 ½ Stunden auf einer speziell eingerichteten Seite „Twitter“ (d. h. Kurzinfos) ins Internet gestellt, von denen sich nachher herausstellte, dass diese überhaupt nicht der Wahrheit entsprachen. In Talkshows erschienen Themen, wie „Schule der Angst – was macht Jugendliche zu Amokläufern“ usw. Etwas besser verhielt es sich mit den Print-Medien, die im Gegensatz zu Online-Journalisten mehr Zeit haben, ihre Meldungen zu aktualisieren.

Auch die Art der Beschaffung des Fotomaterials bemängelte die Journalistin, vielfach seien Fotos aus schulischen Seiten herausgezogen und sofort artfremd weiterverwendet worden, was in keiner Weise der journalistischen Ethik entspräche. So  gab es bei der journalistischen Darstellung ein Tempo der Recherche contra deren Seriosität und als Nebeneffekt wurden viele Trittbrettfahrer an anderen Schulen animiert.

Als Folge von Winnenden gab es zahlreiche politische Diskussionen, wie z. B. die Forderung, Killerspiele zu verbieten oder auch die Änderung im Waffenschutzgesetz, die bereits durchgeführt wurde.

Was also sollte dann die Lehre aus diesem Fall für die Medienbranche und den Journalismus sein? Sicher nicht der Auflauf einer unkontrollierten Medienhysterie, die aus dem Fall Erfurt 2002 nicht gelernt habe. Ist es denn erforderlich, dass ein „User“ alles erfahren muss? Hier sollten sich dann schon die Medien übergreifend zusammentun.

Zum Schluss gab die Referentin noch ein paar Ratschläge, wie Jugendliche „Medienkompetenz“ erwerben können. So sollen die Kinder lernen, selbstbestimmt ihre Medien auszuwählen. Diese Erziehung kann jedoch eine Schule nicht schaffen, so sei auch der Umgang im Elternhaus ein wichtiger Faktor und das Erlernen von sozialer Kompetenz. Schließlich sähen Kinder, was Ihnen vorgelebt werde. Denn hinter allen Medien steckten schließlich Menschen, die ihre Absichten und Ziele verfolgten.

Zum Schluss bedankten sich Anni Wolfsecker und Elisabeth Diewald bei der Rednerin für ihren ausgezeichneten Vortrag und wiesen darauf hin, dass von der Frauen-Union Landshut- Stadt eine Fahrt zu den Münchner Medientagen am 28. Oktober geplant sei.

Bildunterschrift: Medienwissenschaftlerin Prof. Dr. Goderbauer-Marchner (Mitte) mit den beiden Kreis-vorsitzenden der Frauen-Union Anni Wolfsecker (rechts) und Elisabeth Diewald (links)