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Kind und Karriere unter einen Hut bringen
Die CSU-Landtagsabgeordnete Renate Dodell sprach bei der Frauenunion

Frauenforum-klZwei grosse Herausforderungen gibt es derzeit aus der Sicht von Renate Dodell, der stellvertretenden CSU-Fraktionschefin im Bayerischen Landtag: die Globalisierung und die demografische Entwicklung. "Megatrends im 21. Jahrhundert" lautete ihr Vortrag am Dienstag im "Kastanienhof" auf Einladung des Frauenforums der Frauenunion Niederbayern. Im Rahmen der Veranstaltungen zum internationalen Frauentag sprach sie über die Situation von Familien und politische Rahmenbedingungen.
1960 gebar jede Frau in Deutschland durchschnittlich 2,37 Kinder, 2004 waren es 1,4, in Landshut nur 1,2. In jeder Generation schrumpft die Bevölkerung um ein Drittel: 1990 gab es in Bayern 136 000 Geburten, 2010 wird von 95000 Geburten ausgegangen. 2002 lebten in Deutschland erstmals mehr 'Paare ohne Kinder als mit.
Renate Dodell nannte diese Zahlen und ebenso die Folgen: 2030 seien voraussichtlich 35 Prozent der Bevölkerung pflegebedürftig; einem Rentner stehe ein Arbeitender gegenüber. Das bedeute kleinere Erbschaften, da bei sinkenden Renten das Privatvermögen zu Lebzeiten aufgebraucht sei. Verteilungskämpfe zwischen den Generationen drohten, und bis 2050 erwarte die Wirtschaft einen Rückgang von 25 bis 35 Prozent bei den qualifizierten Fachkräften.

Frauen überrunden Männer
Ausserdem werde sich die Innovationskraft Deutschlands verringern, da Neuerungen für gewöhnlich von der jungen Generation ausgingen, erklärte Renate Dodell. "Die Bevölkerungsentwicklung wird sich auf die Rente der Frau auswirken: Die Wirtschaft wird verstärkt auf Frauen als Arbeitskräfte zurückgreifen - mit der Gefahr, dass noch weniger Kinder geboren werden." Schon seit geraumer Zeit veränderten sich die Geschlechterrollen wegen der immer höheren Bildung von Frauen: "Heute sind zwei Drittel der Schüler in Haupt- und Förderschulen Jungen, aber 60 Prozent der Abiturienten Mädchen; diese haben bessere Noten, brechen seltener das Studium ab und erobern im Beruf Männerdomänen." Bessere Bildung und zunehmende Erwerbstätigkeit beschere den Frauen einerseits finanzielle Unabhängigkeit auch im Alter, andererseits zögerten sie den Kinderwunsch immer weiter hinaus.

Wunsch und Wirklichkeit
Laut einer Shell-Studie existiere eine grosse Diskrepanz zwischen den Wünschen junger Menschen und der Realität: Während neben der Karriere Kinder als wichtigster Faktor fürs Glück genannt würden, hätten in Wirklichkeit weniger als zehn Prozent der Leute unter 25 Jahren ein Kind. Deshalb müsse die Politik andere Rahmenbedingungen schaffen, die das Ja zum Kind erleichterten. "Das bedeutet auch, dass alle politischen Entscheidungen daraufhin überprüft werden, ob sie famlienfreundlich sind", sagte Renate Dodell und zählte einige Beispiele dafür auf, was ihrer Meinung nach die Entscheidung fürs Kind erleichtern würde: die finanzielle Entlastung von Familien, deren Berechnung weniger kompliziert sein müsse als bisher, familienfreundliche Arbeitsbedingungen, die auch den Bedürfnissen junger Väter Rechnung trügen, und bedarfsorientierte Kinderbetreuung von hoher Qualität.
Bei den Kindergärten gebe es in Bayern nahezu eine Vollversorgung, sagte Renate Dodell; erheblicher Bedarf sei bei der Versorgung von Schulkindern und von unter dreijährigen Kindern zu verzeichnen. Die vermehrte Förderung der Kinderbetreuung bedeute aber keinesfalls, dass die Politik nun der ausserfamiliären. Pflege Vorrang einräume: Die Eltern sollten nur eine freie Wahl haben zwischen dem Arbeiten und daheim bleiben.
Damit Deutschland auch in Zukunft die Herausforderungen der Globalisierung bestehen könne, müsse vermehrt in die frühkindliche Bildung und die rechtzeitige Hilfe bei Erziehungsfragen investiert werden. Auch bei den Menschen gelte der Satz: "Prävention ist billiger als Reparatur." Das Problem dabei sei nur, dass die Erfolge einer gelungenen Vorsorge sich nicht in Euro und Centmessen liessen.
LZ. vom 16.03.2006