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Neue Gesetze treffen alle Generationen
Hatrik Schmidl referierte über die Auswirkungen des neuen Alterseinkünftegesetz

Zum 1. Januar 2005 hat der Gesetz­geber in Deutschland einige gravierende Änderungen auf den Weg gebracht. Besonders betroffen davon ist die künftige Regelung der Renten.
Dass viele Bürger angesichts der auf sie zukommenden Reformen sehr verunsichert sind, zeigte sich am Donnerstagabend bei der Herbst-Kreisversammlung der Frauen-Union. Finanzplaner Hatrick Schmidl referierte über das neue AIterseinkünftegesetz und sein Vortrag stieß auf sehr große Resonanz.
Der Festsaal im Gasthaus Meyer in Piflas war bei dieser Veranstaltung bestens gefüllt, sicher ein Beweis dafür, dass die Frauen-Union mit der Themenwahl dieses Abends goldrichtig lag. Kreisvorsitzende Anna Wolfsecker freute sich denn auch bei ihrer Begrüßung über den "hervorragenden Besuch" . Anschließend gaben die Landtagsabgeordnete Ingeborg Pongratz und der CSU-Kreisvorsitzende Josef Seidl einen Rückblick auf die Fraktionssitzung der CSU am vergangenen Wochenende. Dabei verhehlten sie ihre Enttäuschung über das Verhalten des Gesundheitsexperten Horst Seehofer nicht. "Da lag diesmal ein gewaltiger Schatten über dem Parteitag", meinte Josef Seidl. Er sei der Ansicht, auch Seehofer - hätte den Kompromiss bezüglich der Gesundheitsreform mittragen müssen. "Da hat er sich als nicht teamfähig gezeigt. Und so geht es halt einfach nicht. "
Aber auch in seiner Funktion als stellvertretender Landrat sei man derzeit nicht frei von Sorgen: "Die Kassen sind leer. Aber es ist kaum möglich, die Ausgaben zu kürzen." Viele Ausgaben, etwa im Jugend- undSozialbereich, seien nämlich vom Gesetzgeber strikt vorgegeben: "Da kommen wir überhaupt nicht aus. Wie wir aber das alles angesichts unserer finanziellen Lage bewerkstelligen sollen, ist mir ein Rätsel. "
Ingeborg Pongratz zeigte sich erleichtert, dass viele Arbeitsplätze in der Region gesichert werden konnten: "Das war ein heißer Kampf, selbst niederbayernintern mussten wir uns, gerade was die Ämter betrifft, gegen Abwerbeversuche zur Wehr setzen", sagte sie.

Nach diesen Grußworten begann Hatrick Schmidl mit seinem Vortrag. Gleich zu Beginn machte er den Zuhörern klar: "Ob jung oder alt - die anstehenden Reformen betreffen jeden einzelnen in Deutschland." Vielen Rentnern, die derzeit mit der Rente unter dem Freibetrag liegen und deshalb keine Steuern zahlen müssen, sei noch überhaupt nicht klar, dass ab Januar pauschal 50 Prozent der Renten versteuert werden müssen. „Der Freibetrag bleibt zwar, aber mit zusätzlichen Einkünften, etwa durch Zinsen oder Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, ist man ganz schnell über dieser Grenze“. Sehr problematisch an der Sache sei, dass viele Rentner mit den neuen Bestimmungen heillos überfordert seien: "Das, was da auf die älteren Mitbürger zukommt, ist ein Unding", übte Hatrick Schmidl harte Kritik an den Reformen. Aber auch die jüngeren Generationen blieben von schmerzhaften Ein­bußen nicht verschont, ganz im Gegenteil. Bis zum Jahre 2040 Würde der Steuersatz jährlich schrittweise auf 100 Prozent angehoben, da sei es unausweichlich, dass die private Altersvorsorge künftig ein immer größeres Gewicht erhalten werde. Hatrick Schmidls Fazit fiel ebenso kurz wie einleuchtend aus: "Die Höhe der Rente bleibt zwar nominal gleich, aber sie muss künftig versteuert werden. Faktisch bedeutet dies eine Rentenkürzung." Allerdings müsse man berücksichtigen, dass Arbeitnehmer die Rentenbeiträge nun von der Steuer absetzen können. "Netto haben wir also während unserer Lebensarbeitszeit etwas mehr im Geldbeutel" sagte Hatrick Schmidl.
Zwischendurch wurde der Referent von den Zuhörern immer wieder mit Zwischenfragen bombardiert. Teilweise gingen diese Fragen derart ins Detail, dass Schmidl bei der Antwort passen musste. Eines hat dieser Abend jedoch zweifellos gezeigt: Die Unsicherheit über die neuen Gesetzesgrundlagen ist bei vielen Menschen im Lande sehr groß. Anscheinend liegt Bundeskanzler Gerhard Schröder mit seiner Aussage, die Regierung habe mit ihrer Politik ein "Vermittlungsproblem ", nicht ganz falsch. Da ist noch sehr viel Nachholbedarf vorhanden.
aus LZ v. 29.11.2004